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Bankensystem

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Bankensystem - Seitenende Bankensystem
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30.03.2009 11:41
hinterwäldler hinterwäldler ist männlich
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Bankensystem

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Wenn ich von meinen Girokonto bei der Bank A zu einem Sparkonto bei der Bank B überweise, was passiert da normalerweise?

Der Betrag wird sofort vom Konto bei A abgezogen und ist normalerweise innerhalb von Stunden bis 3 Tagen auf dem Konto der Bank B gutgeschrieben und alle sind zufrieden.

Was aber, wenn das Geld nach mehr als 4 (vier) Wochen immer noch verschollen ist?

Bank A sagt, wir haben korrekt ausgebucht, Bank B darf seit Monaten garkeine Zahlungen mehr annehmen und Bank C (Dienstleister für A und B, hat mit Privatkunden garnix zu tun) sagt, wir haben das Geld erhalten, können es aber nicht weiterleiten. Dumm gelaufen oder? Aber Realität im Rechtsstaat Deutschland.

Bank A kann/will nicht zurückbuchen
Bank B weiss von nix und darf auch nicht
Bank C wartet erstmal ab
BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) ist dafür nicht zuständig



__________________

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30.03.2009 17:17
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RE: Bankensystem

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Zitat:
Original von hinterwäldler

Bank A sagt, wir haben korrekt ausgebucht, Bank B darf seit Monaten garkeine Zahlungen mehr annehmen und Bank C (Dienstleister für A und B, hat mit Privatkunden garnix zu tun) sagt, wir haben das Geld erhalten, können es aber nicht weiterleiten. Dumm gelaufen oder? Aber Realität im Rechtsstaat Deutschland.

Bank A kann/will nicht zurückbuchen
Bank B weiss von nix und darf auch nicht
Bank C wartet erstmal ab
BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) ist dafür nicht zuständig


Da ist Bank B wohl pleite, und damit dein Geld nicht im Nirvana verschwindet, kann es (erstmal) nicht weitergeleitet werden.

Wenn Geld nicht weitergeleitet werden kann, so landet es erst mal wieder beim ausgehenden Konto, oder es schmort auf einem Spezialkonto, über das die z.B. die Sparkasse Auskunft geben und von dort normalerweise auch zurückholen kann. Das kann schon mal 1 Woche dauern.

so long,
uja

p.s. noch ein Link zu dem, was passiert sein könnte:
hier klicken



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- Vive le Viez! -
Zocken, bis der Arzt kommt!

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30.03.2009 20:49
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"meine" Bank B sagt seit November, sie hätte ausreichend Geld, alle Anleger auszuzahlen. Aber es kommt nix ...

Die Sparkasse hat die BLZ gesperrt, ich kann also nicht mehr Richtung B überweisen.

Aber von Bank A (mit der ich zum Glück nix zu tun hab) kann man fleissig weiter Richtung B überweisen. Insgesamt sind wohl inzwischen 1,6 Millionen Euro auf diesem Weg bei C hängengeblieben. Für mein Rechtsempfinden ist das Unterschlagung. Und weitere 55 Mio. Euro wurden in den letzten Stunden vor der Sperrung von B nach diversen Girokonten angewiesen, klemmen aber auch bei C, weil C sagt, sie hätten noch Forderungen an B. Was interessiert mich, wieviel Miese meine Sparkasse bei der WestLB hat (haben könnte)? Die haben die Überweisung weiterzuleiten - das ist schliesslich mein Geld, nicht das der Sparkasse. Das wäre Faustrecht und würde innerhalb von Tagen zum Zusammenbruch des gesamten Giroverkehrs führen. Aber Bank C macht das einfach. Und unser Bundesfinanzministerium und die Bankenaufsicht sehen zu und erklären sich für nicht zuständig. Welchen Zweck hat eine Bankenaufsicht denn sonst? Die Filialen nachzählen oder die Schaufensterdeko prüfen?

Wat mir uffregt ist weniger die Bank B. Wer so in Schieflage gerät, braucht eben Zeit, um 300 Millionen allein für deutsche Anleger zusammenzukratzen. Mich ärgert diese Bank C, die ungehindert Faustrecht durchsetzt.

@uja: nein, so alt ist mein Problem noch nicht. Aber es ist tröstlich zu lesen, daß meine Bank nicht die einzige ist. Und 25 Millionen sind doch süss, das machen wir doch aus der Portokasse.



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21.04.2009 00:14
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sechs Monate sind vergangen, passiert ist NIX.
Ausser einer Pressemitteilung, man will die Anleger vollständig auszahlen. Wann und wie soll schon diesen Monat verraten werden. Woran es dann die nächsten 4 - 6 Wochen scheitert, weiss ich jetzt schon.

Das einzig positive: inzwischen hat Bank B genug Geld zusammen, um unabhängig von C auszuzahlen. Rechtsstreit B gegen C läuft und etwa 30 Anleger klagen wegen Unterschlagung gegen C. Ich bin mal gespannt, wann BaFin aus dem Beamten-Schlaf aufwacht und ihrer Aufgabe nachkommt. Da werden allein einer einzigen (systemrelevanten) Bank 100 Milliarden Euro Steuergelder nachgeworfen, aber eine Klärung, wem die streitigen 55 Millionen nun gehören, ist über ein halbes Jahr lang nicht zu schaffen.

Wenn man erstmal genug Schulden angehäuft hat, ist man plötzlich viel wichtiger als andere, die ordentlich und erfolgreich gearbeitet haben.

Bananenrepublik Deutschland !

p.s. Die Bankenaufsicht wird übrigens nicht vom Staat, sondern von den Banken direkt finanziert. Das erklärt auch die arbeitsweise.

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26.04.2009 09:56
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Gestern konnte ich mit einem Mitarbeiter der BaFin (Bankenaufsicht) sprechen. Die BaFin hat ein Moratorium gegen B verhängt, (also jegliche Zahlungen an und von der Bank verboten). Trotzdem kann von einer Bankengruppe auch Monate nach Verhängung dieses Moratoriums weiterhin an Bank B überwiesen werden. Eine der Fragen an den BaFin-Mitarbeiter war: "Wer prüft die Einhaltung des Moratoriums und was passiert, wenn eine Bank dagegen verstößt?"

Die ernüchternde Antwort lautete: "Wir gehen davon aus, daß das Moratorium befolgt wird."

Und das etwa 24 Stunden VOR Verhängung des Moratoriums schon Überweisungen von B nach A durch den Dienstleister C einbehalten wurden, ist wohl auch nicht weiter schlimm. Aber man prüft die Angelegenheit (inzwischen seit einem halben Jahr) und kann eigentlich nix machen. ...ohje...

Soll ich meine Miete demnächst wieder per Geldboten schicken? Oder fallen die gelegentlich auch vom Pferd und sind dann nicht mehr aufzufinden?

edit 27.04.09:
Bank B hat übrigens in Deutschland ein einziges Konto bei C, über das sämtliche Kundenzahlungen, aber auch die eigene Telefonrechnung und die Miete gebucht wurden. Und C hat ihre EDV outgesourced an D. D hat mit B nix zu tun, C+D haben mit Privatkunden nix zu tun.

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06.05.2009 20:03
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Bank C kommt jetzt übrigens auf den Privatkundenmarkt. Wer gern mal in Turbo-Optionsscheine oder Doppel-Chancen-Zertifikate investieren möchte... ...vogel... Klingt in der Beschreibung so, als müsste man damit innerhalb kürzester Zeit reich werden. Also ich finde Lotto da seriöser.

Andere Bank: HRE
Ich bin zwangsweise einigermaßen fit im Thema und habe jetzt den gestrigen Beitrag aus Plusminus gesehen. Europa fordert für Banken (sinnvoller weise) 7% Kernkapital, in Deutschland müssen Banken nur 4% Kernkapital nachweisen und wenn HRE 3,5% Kernkapital veröffentlicht, schaut die Bankenaufsicht sehr besorgt zu. Schließlich soll die HRE ja bald verstaatlicht werden. Und deshalb machen die nix. Eigentlich müsste der Geschäftsbetrieb der HRE sofort eingestellt werden. Aber dann bräche nicht nur ein gefährlich großes Stück vom deutschen Finanzmarkt zusammen, dann wären auch über 100 Milliarden Steuergelder, die schon zur Stützung reingepumpt wurden, sinnlos gewesen.

Wann ist da wohl ein ausreichender Anfangsverdacht gegeben, der endlich zum Einschreiten der Staatsanwaltschaft führt?

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11.05.2009 22:17
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Die erwähnten 55 Millionen sind übrigens nicht (wie es bisher hieß) Kundengelder, die von B weg überwiesen werden sollten. Nein - viel besser!

Die deutsche Bankenaufsicht hat mehr Eigenkapital für B gefordert. Daraufhin hat die ausländische Mutter 50 Millionen geschickt. Und das war die Gelegenheit für C, zumindest einen Teil der eigenen offenen Forderungen gegen B zu pfänden. Und daraufhin wurde B dann "eingefroren".

Die 1,6 Millionen, die an B überwiesen werden sollten, wurden (zufälligerweise 2 Tage nach dem Gespräch mit dem BaFin-Mitarbeiter) wieder zurückerstattet. Natürlich kommentar- und zinslos - nachdem sie 6 Monate verschollen waren.

In den nächsten Tagen erwarte ich einen Brief, dem ich entnehmen können soll, wie und wann ich zumindest meine Einlage zurückerhalten soll. ...freu... Von den vereinbarten Zinsen reden wir erstmal garnicht.

Das einzige, was mich tröstet, ist, daß bei dieser Bank B nicht nur 330 Millionen Spareinlagen liegen, sondern auch 21.000 Millionen von Landesbanken, Kommunen, IHK und anderen Anlage-Profis.

Seit Oktober 2008 habe ich sehr viel über das Bankensystem und unsere Währung gelernt. Auf das meiste davon würde ich gern verzichten, dann könnte ich wieder ruhiger schlafen.

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12.05.2009 18:07
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Wo hatt' denn, wo hatt' denn,
Knecht Ruprecht seine Mäus'?
In Island, in Island,
drum ist sein Haar so weiß.

SCNR,
uja

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18.05.2009 19:58
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BaFin muss wegen HRE-Ausschuss wohl Bankenaufsicht einschränken

Die ohnehin schon nicht sonderlich mit Ruhm bekleckerte deutsche Bankenaufsicht gibt zu, ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen zu können, weil sie "umfangreiche Unterlagen" im Auftrag des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur Hypo Real Estate zusammenstellen muss.

Alles wird gut, kein Grund zur Sorge ...

Die Renten sind sicher, alle deutschen Banken seriös und die Erde eine Scheibe. :kotz:

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05.06.2009 11:01
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Hier ein Zeitungsartikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 04.06.2009:


Zitat:

Rückzahlung ist das eine, Gerechtigkeit das andere

Erboster Kaupthing-Kunde lässt sich nicht abspeisen

Nach monatelangem Warten erhalten Kunden der isländischen Pleitebank Kaupthing ihre Spargelder zurück. Für Karlheinz Bellmann ist der Kampf damit noch lange nicht beendet.

Von Martin Dowideit, Frankfurt

Hätte Karlheinz Bellmann die Ersparnisse seiner Frau und der vier Kinder bei der Sparkasse angelegt und dann damit Ärger bekommen, wäre ein Protest bei dem Finanzinstitut eine Leichtigkeit. Er bräuchte nur aus der Tür des Einfamilienhauses im hessischen Dieburg zu treten, die schmale Straße zu überqueren und könnte vor einer Selbstbedienungsfiliale der Sparkasse Flugblätter verteilen oder auf andere Art seine Wut kundtun. Der Mann mit rundem Gesicht und Brille bräuchte noch nicht einmal von seinen Filzpantoffeln in festes Schuhwerk zu wechseln.

Doch Bellmanns Bank gibt es vor allem im Internet. Die Zentrale sitzt in einem Staat, der auf der Landkarte in seinem Wohnzimmer verschwindend klein in den Weiten des Nordatlantiks eingezeichnet ist: Island. Seit neun Monaten dreht sich jetzt das Leben des 49-Jährigen um diese Insel. Er hat dort Freunde gefunden und schon im Fernsehen Grußworte an die Bewohner auf Isländisch verlesen dürfen. Aber alles aus einem hässlichen Grund. Denn Bellmann hatte 110 000 Euro bei der isländischen Kaupthing-Bank angelegt, die mit der Pleite des Geldhauses im Oktober 2008 verloren schienen.

Im Internet verbrüderte er sich mit vielen der mehr als 30 000 anderen deutschen Kaupthing-Kunden im Kampf um ihr Geld - insgesamt 308 Millionen Euro. Aus der Onlinewelt zerrte er den Protest ans Licht der Öffentlichkeit. Im November lieh sich der selbstständige Computerfachmann bei einem Kunden ein Sakko, das über seinen runden Bauch passt, und flog nach Island zu Kaupthing. Ein Fernsehteam des ZDF hatte er im Schlepptau, und so wurde Bellmann zu einem Gesicht der Finanzkrise.

Später saß er bei Johannes B. Kerner in der Sendung, demonstrierte in Berlin und reiste Finanzminister Peer Steinbrück quer durch Deutschland hinterher. Monatelang kämpfte er an vielen Fronten, um diesen einen Brief aus Reykjavík mit beigelegtem Antwortumschlag zu erhalten. Vor einigen Tagen lag der Brief dann vor ihm auf dem Schreibtisch. Bellmann überprüfte seine aufgedruckte Kontoverbindung und die Anschrift, steckte die Seiten in das Kuvert und schickte alles an Kaupthing. Jetzt konnte er sich endlich sicher sein, bald die Familienersparnisse zurückzuerhalten.

Im Zuge seiner Kampagne ist ihm aber klargeworden, dass es für ihn um weit mehr als nur das Geld geht. Es ist zwar eine stattliche Summe, die Bellmann für die Berufsausbildung seiner vier Kinder angelegt hatte. Doch auf einen Tag mehr oder weniger bis zur Auszahlung kommt es ihm nicht mehr an. Mittlerweile sei es ihm sogar "fast egal", wenn er nur die durch den isländischen Einlagensicherungsfonds garantierten 20 887 Euro erhalten würde.

Das lässt sich natürlich leicht sagen, weil mittlerweile von Kaupthing der gesamte Betrag zugesichert ist. Dennoch hat die Pleite der Bank in dem Mann mit Dreitagebart einen wunden Punkt gekitzelt, der über die finanzielle Sorge hinausreicht. Er kämpft jetzt gegen Gesetzeslücken. Gegen Unrecht. Und gegen ein System, in dem die Kleinen zu leicht unter die Räder geraten können. Er will Antworten auf viele Fragen - und zwar auch noch, wenn das Geld wieder da ist.

Angefangen hatte alles im Spätsommer vergangenen Jahres. Die deutsche Netbank zahlte auf Bellmanns Geld weniger Zinsen als die von Kaupthing für Tagesgeld versprochenen 5,65 Prozent. Da auch sein Bruder Geld dort angelegt hatte, überwies er Ende September die 110 000 Euro. Es gibt Politiker, die sagen, die Gier habe dabei Anleger wie Bellmann übermannt. "Das Giergerede kann ich nicht mehr hören", poltert Bellmann. Er dachte, dass man Banken vertrauen könnte, die in Deutschland Kunden umwerben. Und außerdem sei der Zins nur unwesentlich höher als bei anderen Banken gewesen. Zwei Wochen später stellte Island Kaupthing unter staatliche Zwangsverwaltung und das Geld der Familie schien verloren.

Sein Kampf auf Rückzahlung gewann an Fahrt, nachdem eine Fernsehreporterin während eines Interviews auf der Islandreise weinte, als er ihr von der Familie und dem einbehaltenen Geld erzählte. Die isländischen Tageszeitungen machten ihn darauf zum Helden, der für seine vier Kinder kämpft. Selbst in Deutschland wissen Finanzpolitiker mittlerweile mit dem Namen Bellmann etwas anzufangen.

Mit Entschlossenheit und Detektivarbeit hat Bellmann sich immer tiefer in die Wirren der Finanzaufsicht und die Vertragsverhältnisse der Kaupthing-Bank mit der Frankfurter DZ-Bank vertieft. Einmal sogar konnte er, "mitten im Herzen des Großkapitalismus" Platz nehmen: einem Ausschuss, der die Bank abwickelt. Und er erzählt, wie er mit dem obersten deutschen Kassenwart Steinbrück Wein getrunken hätte und danach "von dessen Unwissenheit in Sachen Kaupthing schockiert" gewesen sei. Und wie er anderen Kaupthing-Geschädigten beigestanden habe. Eine leidgeprüfte Anlegerin hat er nach eigener Darstellung gar vor dem Selbstmord bewahrt.

Die Regelungslücken, auf die er während seines Kampfes gestoßen ist, geistern ihm ständig durch den Kopf. Etwa dass die genossenschaftliche DZ-Bank die Einlagegelder der deutschen Kaupthing-Kunden pfänden konnte, weil diese auf dasselbe Konto flossen wie Kaupthing-Gelder aus anderen Geschäftsbeziehungen mit der DZ-Bank. Der Kaupthing-Geschädigte Bellmann ist mächtig aufgebracht deswegen und stolz in der Sache auch weiterhin am Ball zu bleiben. Die Diskussion über die Rolle der DZ-Bank ist für ihn daher mit der Rückzahlung nicht zu Ende.

"Hier geht"s weiter, in Europa", sagt Bellmann und deutet auf die Visitenkarte eines Europaabgeordneten. Zwar hat die EU bereits beschlossen, die Mindestabsicherung von Spareinlagen zu erhöhen. Doch Bellmann will verhindern, dass noch mal Kundenspargelder von einer anderen Bank gepfändet werden können. Auch eine Anfrage einer Fraktion im Bundestag dürfte es dank Bellmanns Einsatz bald zu dem Thema geben.

Eingeworfen hat Bellmann den Brief an Kaupthing ein paar Straßen weiter. "Hinten am Altenheim steht ein Briefkasten", sagt er. So sollte in den Tagen nach dem 8. Juni das Geld da sein - wenn auch ohne Zinsen. Dennoch werden mit ihm alle Betroffenen kollektiv aufatmen.

Die Sparkasse auf der anderen Straßenseite wird nichts von der Rückzahlung haben. Denn auf eine Bank will Bellmann das Ersparte nicht wieder bringen. "Ich denke über Grundbesitz nach", sagt er. "Oder lasse eine Solaranlage auf dem Dach installieren."



Schön, daß endlich mal eine Zeitung auf die Probleme der Pfändung und die Gesetzeslücken eingeht. So langsam kommt wohl Bewegung in die Sache. Nicht nur die Rückzahlung der Einlagen ist in Sichtweite, sondern auch eine Klärung der Ursachen.

Was immer noch nicht gern veröffentlicht wird:
- Banken müssen Kundengelder NICHT treuhänderisch behandeln
- Welche (scheinbar sehr beschränkten) Möglichkeiten hat die deutsche Bankenaufsicht?
- Arbeitet die Bankenaufsicht für die DZ-Bank statt sie zu beaufsichtigen?
- Ob und wie Verstöße gegen ein Moratorium geahndet werden
- Wann werden Überweisungen, die nicht ausgeführt werden dürfen, zurückerstattet?
- Deutschland hat die schlechteste Einlagensicherung in ganz Europa
- Die Eigenkapitalquote für Banken liegt in D bei 4%, EU fordert 7%

Eine Frage ist immer noch offen: Was hat die Bundesregierung für die 30.000 betroffenen Sparer getan? Laut Peer Steinbrück hat er persönlich sich für uns den "A... aufgerissen" und die Bundesregierung hat "intensiv verhandelt". Aber ausser einem Kreditangebot an Island (das schon seit November bekanntermaßen nicht benötigt wurde) ist nichts weiter zu erkennen.


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